Produktionschargen und Farbunterschiede bei Polsterstoffen
· Autor: TIM Collection Team
Warum Stoff aus verschiedenen Chargen im Farbton abweichen kann und wie Sie Bestellungen planen, um visuelle Abweichungen zu reduzieren.
Textilproduktion ist chargenbasiert – leichte Farbabweichungen innerhalb der Toleranz zwischen Läufen desselben Codes sind industrieller Normalfall, kein Ausnahmefehler.
Projekt absichern
Bei größeren Aufträgen aus einer Charge mit kalkulierter Reserve bestellen. Späte Nachbestellungen können visuelle Abnahme gegen bestehendes Polster unter realem Licht erfordern.
Was ist ΔE und welche Abweichung ist noch zulässig?
ΔE ist das Zahlenmaß für den Abstand zweier Farben im CIE-Lab-Raum – je kleiner der Wert, desto näher liegen die Farben beieinander. Unterhalb von 1 gilt der Unterschied als praktisch unsichtbar, Werte zwischen 1 und 2 erkennt ein geschultes Auge im direkten Vergleich, ab 2 bis 3 bemerkt ihn auch der normale Nutzer bei nebeneinanderliegenden Elementen.
Die von Stoffherstellern angegebenen Toleranzen liegen üblicherweise bei ΔE bis 1 bis 1,5 zwischen Partien. Das bedeutet: Zwei Rollen können formal spezifikationskonform sein und trotzdem sichtbar verschieden wirken, sobald man sie Kante an Kante auf einem Möbelstück zusammenbringt.
Warum variiert der Farbton innerhalb einer Rolle?
Die Textilindustrie beschreibt zwei Phänomene: side-to-side, also den Unterschied zwischen linker und rechter Warenkante, und end-to-end, die allmähliche Veränderung über die Länge der Rolle. Beide entstehen dadurch, wie Färbebad und Trocknung auf das laufende Material wirken – Kanten und Partieanfang haben etwas andere Bedingungen als die Mitte.
Für den Zuschnitt folgt daraus eine praktische Regel: Elemente, die im fertigen Möbel aneinanderstoßen, schneidet man besser aus benachbarten Rollenabschnitten als von gegenüberliegenden Enden. Bei großen Sets ist das oft wichtiger als die Partienummer selbst.
Wie bestellt man, um Überraschungen zu vermeiden?
Grundregel ist, die gesamte Meterware für ein Projekt aus einer Partie zu bestellen und eine Reserve einzuplanen – meist 10 bis 15 Prozent bei unifarbenen Stoffen und mehr bei gemusterten. Die Reserve dient nicht nur Zuschnittfehlern: Sie ist auch das Material für die spätere Reparatur eines einzelnen Elements, das sich in zwei Jahren nicht mehr nachkaufen lässt.
Die Partienummer sollte zusammen mit den Auftragsunterlagen festgehalten und an den Endkunden weitergegeben werden. Bei einer Reklamation oder einem Nachkauf ist sie die erste Information, nach welcher der Lieferant fragt.
Was tun beim Nachkauf nach Jahren?
Ist die Originalpartie erschöpft, gibt es drei realistische Wege. Man kann ein Muster aus der aktuellen Partie anfordern und es visuell am vorhandenen Möbel freigeben – am besten bei Tageslicht und bei Kunstlicht. Oder man bestimmt das neue Material für ein separates Element wie Hocker oder Kissen, wo der Farbunterschied als beabsichtigt gelesen wird.
Der dritte Weg ist, eine größere Einheit neu zu beziehen, damit das neue Material eine zusammenhängende Fläche bildet. Dazu kommt ein Faktor, den man leicht vergisst: Das alte Möbel ist über Jahre unter Lichteinfluss ausgeblichen, sodass selbst eine perfekt passende Partie nicht mehr zum verblassten Original passt.
Autor
TIM Collection Team
Importeur und Distributor von Bezugsstoffen aus Łódź. Die Texte stützen sich auf technische Datenblätter, Prüfnormen und die tägliche Arbeit mit Möbelherstellern und Polsterern.
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